Was ist Pflegegeld nach §37 SGB XI?

Pflegebedürftige Menschen die zu Hause von einer Pflegeperson (meist ein Familienangehöriger) gepflegt werden, erhalten Pflegegeld. Das Pflegegeld dient dazu der Pflegeperson einen finanziellen Ausgleich für ihre pflegerische Leistung zu bezahlen.


Was sind Pflegesachleistungen nach §36 SGB XI

Prinzipiell gibt es bei der Pflegekasse Geldleistungen und Sachleistungen.

Wer von einem ambulanten Pflegedienst betreut wird, erhält Pflegesachleistungen. Pflegesachleistungen sind keine Dinge oder Sachen sondern Dienstleistungen, die z.B. von einem Pflegedienst erbracht werden. Mit den ambulanten Pflegesachleistungen werden demzufolge die Leistungen eines Pflegedienstes bis zu einem festgesetzten Höchstbetrag bezahlt. Dieser Höchstbetrag ist abhängig vom Pflegegrad.


Was bedeutet Kombinationspflege nach § 38 SGB XI?

Von Kombinationspflege spricht man, wenn für die häusliche Pflege ein anteiliges Pflegegeld bezogen und ein Pflegedienst in Anspruch genommen wird, also die Kombination von Geldleistungen und Sachleistungen. Sprich: Wenn die Pflege in Kombination von pflegenden Angehörigen und einem Pflegedienst durchgeführt wird.

Pflegegeld   +   Pflegesachleistung   =   Kombinationspflege


Wie wird das Pflegegeld mit den Pflegesachleistungen verrechnet?

Je nach Einstufung in den Pflegegrad, erhalten Sie unterschiedliche Beträge Pflegegeld bzw. Pflegesachleistung.

Der Pflegedienst rechnet seine Leistungen monatlich mit der Pflegeversicherung ab. Wenn Sie bereits eine Kombipflege haben, prüft die Pflegekasse, ob die Pflegesachleistungen voll ausgeschöpft wurden.

Haben Sie weniger finanzielle Leistungen für den Pflegedienst benötigt, als Ihnen zusteht, wird der offene Betrag prozentual als Pflegegeld ausbezahlt.


Was ist Verhinderungspflege nach § 39 SGB XI?

Verhinderungspflege gibt es in der häuslichen Pflege. Ein pflegebedürftiger Mensch wird von Angehörigen, Verwandten oder Freunden gepflegt. Doch die Pflegepersonen haben nicht immer Zeit, müssen selbst einmal zum Arzt oder machen auch mal einen Urlaub. Für diese Zeit muss eine Ersatzpflegeperson die Pflege übernehmen.

Von Verhinderungspflege spricht man:

  • wenn die Pflege zu Hause stattfindet,
  • die reguläre Pflegeperson verhindert ist und
  • die Pflege ersatzweise durch eine andere Person ausgeführt wird.

Was können sie mit Verhinderungspflege alles abdecken?

  • Grundpflege (Baden/Duschen, Körperpflege am Waschbecken)
  • Betreuungsleistungen
  • Haushaltshilfe

Was ist Kurzzeitpflege nach § 42 SGB XI?

Man spricht von Kurzzeitpflege, wenn eine pflegebedürftige Person für eine begrenzte Zeit einer vollstationären Pflege bedarf. Häufig ist das nach einem Krankenhausaufenthalt der Fall oder wenn die häusliche Pflege für eine bestimmte Zeit ausgesetzt werden muss oder soll. (Angehörige sind in Urlaub oder Entlasstung der Pflegeperson)

  • Wichtig: Erst nach sechs Monaten der Pflegebedürftigkeit kann die Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden.

Dauer der Kurzzeitpflege

Die Kurzzeitpflege ist auf eine Dauer von 56 Tage im Jahr beschränkt, für diese Zeit übernehmen die Pflegekassen die Kosten bis zum Höchstbetrag einer stationären Unterbringung. Die Kurzzeitpflege kann zusätzlich mit der Verhinderungspflege kombiniert werden. Kurzzeitpflege kann laut Definition nur in einer entsprechenden Pflegeeinrichtung wie einem Pflegeheim durchgeführt werden und ist zu Hause nicht möglich.


Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege kombinieren

Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege können gekoppelt werden. Wenn Sie nicht die gesamten sechs Wochen der Verhinderungspflege aufgebraucht haben, können Sie die verbleibende Zeit für eine Ausdehnung der Kurzzeitpflege umlagern. Die Kurzzeitpflege können Sie mit solchen Restkontingenten auf bis zu acht Wochen ausweiten, so dass Ihnen für die verlängerte Pflege 3.224 Euro zur Verfügung stehen.

Im Umkehrschluss können ungenutzte Kurzzeit-Pflegezeiten auch für Verhinderungspflege verwendet werden. Allerdings kann hier nur der halbe Betrag aus der Kurzzeitpflege angesetzt werden. Es gibt sich also ein Höchstbetrag von 2.418 Euro. Zusammengefasst: Es lohnt sich, diese beiden Formen der Pflege zu kombinieren!


Was sind Entlastungsleistungen § 45 b SGB XI?

Bei Entlastungs- und Betreuungsangeboten handelt es sich um zusätzliche Unterstützungsleistungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Geschulte Ehrenamtliche oder professionelle Pflege übernehmen für einige Stunden pro Woche verschiedene Aufgaben. So sind die Pflegebedürftigen gut versorgt und die Angehörigen können neue Kraft tanken.

Der Entlastungsbetrag kann genutzt werden für:

  • Tages- und Nachtpflege, auch die Kosten für Unterkunft, Mahlzeiten und Investitionskosten
  • Kurzzeitpflege
  • Angebote zur Unterstützung im Alltag bei Anbietern, die nach Landesrecht zugelassen sind, z.B. haushaltsnahe Dienstleistungen, Gruppenangebote, Alltags- und Pflegebegleiter

Personen mit Pflegegrad 1 können sämtliche körperbezogenen Pflegemaßnahmen eines Pflegedienstes mitfinanzieren. In den Pflegegraden 2 bis 5 sind körperbezogene Pflegemaßnahmen, wie das Waschen und Anziehen, ausgenommen. Diese dürfen ausschließlich mit den Pflegesachleistungen finanziert werden. Der Entlastungsbetrag steht lediglich für zusätzliche Unterstützung zur Verfügung, wie etwa Hilfe im Haushalt.
Wer Verhinderungspflege in Anspruch nimmt, kann die Mittel dafür mit dem Entlastungsbetrag aufstocken.

Zusätzliche Informationen:

  • Der Entlastungsbeitrag soll Angebote finanzieren, die pflegende Angehörige entlasten.
  • Es stehen unterschiedliche Leistungen zur Verfügung.
  • Sie müssen die Rechnungen sammeln und bei der Pflegekasse einreichen, oder eine Abtretungserklärung ausfüllen.
  • Bis zu 40 Prozent des Betrages für Pflegesachleistungen können Sie zusätzlich für Entlastungsleistungen nutzen.
  • Nicht genutzte Beträge können angespart und später genutzt werden.

Hilfsmittel § 40 Abs.2 SGB XI:

Pflegebedürftige erhalten einmal monatlich einen Betrag von 40 € welchen sie für Hilfsmittel bei einem entsprechenden Sanitätshaus einsetzen können.

Zu diesen Hilfsmitteln gehören:

  • Handschuhe
  • Händedesinfektionsmittel
  • Flächendesinfektionsmittel
  • Schuhüberzeiher
  • Schutzkittel
  • Einmal Bettschutzeinlagen
  • waschbare Bettschutzeinlagen
  • Fingerlinge
  • Mundschutz

Zusätzlich erhält man von der Pflegekasse 40 € für Inkontinenzmaterial. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass ihnen der Hausarzt mit dementsprechender Diagnose rezeptiert hat.


Wohnraumanpassung bei pflegebedürftigen Menschen:

Sofortmaßnahmen für mehr Barrierefreiheit:

Manchmal ist für eine pflegegerechte Wohnung ein größerer Umbau notwendig. Oft helfen aber schon kleine Änderungen, um das Leben und die Pflege zu Hause zu erleichtern. Die folgenden Maßnahmen lassen sich zum Beispiel sofort umsetzen:

Grundsätzliches für den Wohnraum

Teppiche, Läufer und Fußmatten entfernen. Die Fußböden sollten rutschfest und gut begehbar sein

  • lose Kabel von Stehlampen, Fernseher oder Telefon verbergen
  • die Wege zwischen den Zimmern Freiräumen. Möbel können vor allem nachts zum Hindernis werden
  • Rollator oder Gehhilfen abends an das Bett stellen. Häufig fällt das Gehen nachts schwieriger wie am Tag. Es besteht eine erhöhte Sturzgefahr.
  • Handläufe oder Rampen an Treppen installieren
  • unwichtige Türen aushängen. Das erleichtert Rollator- oder Rollstuhlnutzern den Zugang zu Zimmern

Im Badezimmer

  • leicht bedienbare Hebelarmaturen am Waschbecken anbringen
  • kleine Installationen erleichtern alltägliche Gänge ins Bad. Dazu zählen:
    • Haltegriffe in Dusche und an WC
    • Duschhocker
    • Sitzerhöhung für die Toilette
    • Einstiegshilfe für die Badewanne

Im Schlafzimmer

  • ein freier und direkter Zugang zum Bett
  • Lichtschalter und Telefon direkt am Bett
  • Bett umrüsten, damit es höhenverstellbar ist. Das erleichtert das Aufstehen.
  • Pro Umbaumaßnahme kann der Pflegebedürftige einen Betrag von bis zu 4000€ erhalten nach § 40 Abs. 4 SGB XI. Diese Umbaumaßnahmen müssen vor der Durchführung von der Krankenkasse genehmigt werden.

Pflegezimmer einrichten

Ist der Pflegebedürftige lange oder dauerhaft bettlägerig, brauchen Sie vor allem ein Zimmer, das sich für die Pflege gut eignet. Achten Sie bei der Planung auf Folgendes:

  • Stellen Sie das Bett so, dass es von mindestens zwei Seiten erreichbar ist.
  • Der Bodenbelag sollte leicht zu pflegen und rutschfest sein.
  • Stellen Sie das Zimmer nicht zu voll, Sie brauchen ausreichend Platz für die Pflege.
  • Denken Sie an verschiedene Lichtquellen, am besten bedienbar vom Bett aus: ein heller Deckenstrahler für die Grundbeleuchtung, eine Wandlampe am Bett zum Lesen, ein Nachtlicht zur Orientierung.
  • Für eine schnelle Kommunikation stellen Sie ein Telefon, eine Klingel oder ein Babyfon direkt ans Bett.
  • Ein spezielles Pflegebett ist nicht nur für den Pflegebedürftigen eine Erleichterung. Auch für Sie wird die Pflege dadurch einfacher und rückenschonender. Folgende Eigenschaften sollte ein Pflegebett haben:
      • verstellbares Kopf- und Fußteil
      • Höhenverstellbarkeit der gesamten Liegefläche
      • ausziehbare Fallschutzlatten an beiden Längsseiten
      • Rollen, um das Bett für bestimmte Maßnahmen bewegen zu können.

Welche Pflegehilfsmittel gibt es und wie bekommen Sie diese nach § 40 Abs. 1 SGB XI?

Die gängigsten Pflegehilfsmittel sind:

  • Rollatoren, Gehstöcke
  • Rollstühle, Schiebehilfen, Elektrische Rollstühle
  • Duschstuhl
  • Toilettenstuhl
  • Badewannen Lift
  • Lift zum Transfer aus und in das Bett
  • Pflegebetten und spezielle Matratzen

Während eines Pflegegutachtens kann der medizinische Dienst Hilfsmittel beantragen. Haben sie bereits einen Pflegegrad wenden sie sich an ihren Hausarzt dieser kann ihnen die Pflegehilfsmittel rezeptieren. Erhalten sie das Rezept können sie dies beim Sanitätshaus Ihres Vertrauens einlösen und müssen lediglich die Rezeptgebühr bezahlen.